Wer war Rosenpfarrer Georg Schöner?
Das Leben des Pfarrers Georg Schöner ist eine jener bemerkenswerten Biographien, wie sie die Jahre Ende des 19. Jahrhunderts hervorbrachten, als eine Welle von deutschen Auswanderern in die aufstrebenden USA strömten, ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“.
Schwarzwald-Heimat
Steinach im Kinzigtal hat rund 4000 Einwohner und liegt im Mittleren Schwarzwald zwischen Offenburg und Freiburg. Die Ortsmitte auf 200m NN wird umrahmt von Schwarzwaldbergen, geologisch Grundgebirge mit Granit und Gneis, früher geprägt von Flößerei, Landwirtschaft und Silberbergbau.
1864 wird Georg Schöner im Steinacher Zinken Lachen geboren, als Bauernsohn und Bruder von sieben Geschwistern. Schon früh spürt er die Berufung zu einer geistlichen Tätigkeit. Der Dorfpfarrer und seine Lehrer erkennen seine außergewöhnliche Begabung und sie fördern den Schüler. Seine Mentoren ermöglichen ihm eine hervorragende Schulausbildung in der Schweiz. Im Benediktiner-Schüler Georg Schöner erwacht die Liebe zur Literatur, erste Gedichte entstehen. In der Schweiz entdeckt er auch seine Leidenschaft für die Botanik.
Wie viele Deutsche zu jener Zeit, entschließt sich der junge Mann nach Amerika auszuwandern.
Amerika
1890 beginnt sein neues Leben in den USA – zunächst wohnt er bei seiner Tante Anna Smith in der Stahlstadt Pittsburgh (Penn.), wo sich viele Einwanderer aus Deutschland und Osteuropa ansiedeln. Dort beginnt er endlich auch das ersehnte Theologiestudium. 1892 wird er zum Priester geweiht, feiert seine Primiz in Pittsburgh. Nach einigen Jahren als Hilfspfarrer in Pennsylvania bekommt er 1899 seine eigene Pfarrei in Rochester (Ohio). George Schoener, wie er sich jetzt buchstabiert, ist ein Multitalent:
In diesen Jahren beginnt er mit botanischen Studien, tritt als Dichter („Deutsche Weisen aus Amerika“) und botanischer Fachautor in Erscheinung, verdient sich so als Publizist seine ersten Meriten.
Daneben plant und organisiert er einen Kirchenneubau. Die Bautätigkeiten leitet er nicht nur als spiritus rector bei der Planung, sondern legt auch selbst Hand an beim Bauen. Die vielen Aktivitäten fordern ihren Tribut: Der erschöpfte George Schoener muss sich 1909 über ein Jahr lang in einem Sanatorium in Wisconsin erholen.
Schon bald hat er Erfolg mit seinen Züchtungen und seine Anstrengungen zahlen sich aus: Nach nur vier Jahren Zuchtarbeit wird ihm auf einer internationalen Messe in San Francisco eine Goldmedaille zuerkannt...(weiter)
Es ist aber auch die Zeit der blutigen Kämpfe in Europa, an der Westfront tobt ein erbarmungsloser Stellungskrieg; das deutsche Reich setzt Giftgas ein. In den Vereinigten Staaten herrscht eine eindeutige Meinung, was den Weltkrieg anbetrifft: Die Deutschen sind der Feind und Aggressor. In diesem Klima haben es Deutsche und Deutschstämmige in den Staaten schwer. Sie sind unbeliebt, ihnen wird alles Mögliche zugetraut und nicht wenige sind Repressalien ausgesetzt.
Neider und Gegner des Rosenpfarrers nutzen diese Stimmung; im Jahr 1915 gehen Pfarrkirche und Pfarrhaus in Flammen auf. Dabei verbrennen die meisten der vielen Bände seiner umfangreichen Bibliothek, und ein wertvoller Kelch wird von Plünderern gestohlen.
Nach diesem Schicksalsschlag sorgt der Erzbischof dafür, dass George Schoener eine Kaplanstelle in Oregons Hauptstadt Portland antreten kann. Aus der geplanten Anlage eines städtischen Rosengartens wird jedoch nichts; sein Vorhaben wird sabotiert; in Oregon scheint sich alles gegen ihn zu verschwören.
Verbittert verlässt er den Staat Oregon. Er entschließt sich, ins sonnige Kalifornien zu ziehen.
Kalifornien
1917 siedelt er also über nach Kalifornien, die attraktive Küstenstadt Santa Barbara wird für die nächsten 20 Jahre sein Zuhause sein. Das milde angenehme Klima ist ideal für seine Züchtungsarbeit, die er weiterhin parallel zur seelsorgerischen Arbeit vorantreibt. Mehr und mehr konzentriert er sich jedoch auf ersteres.
Dies sind seine fruchtbarsten Züchterjahre, er bekommt den Ehrentitel „Padre of the Roses“ und wird zum Thema in Zeitungsartikeln und Zeitschriften.
Der Rosenpfarrer wird in dieser Zeit endgültig zur überregionalen Berühmtheit, seinen Namen kennt man in den ganzen USA, sogar ein Farbfilm wird 1936 gedreht, bis heute verschollen in den Archiven der Paramount.
1939, im Alter von 75 Jahren, tritt er sein letztes Engagement an: An der Jesuiten-Universität von Santa Clara hält er Vorlesungen, lässt angeblich 5000 Rosen auf dem Campus pflanzen. Zwei Jahre nach dem Umzug, am 10. Februar 1941, stirbt George Schoener, vermutlich an einer Herzschwäche.


